Online Tagebuch von Mike & Christian (Montreal)

Monday, February 19, 2007

Déneigement und YMCA

Nach den Schneefällen der letzten Woche, die nach wie vor deutlich unter den ortsüblichen Mengen liegen, wurde bereits zum zweiten Male seit unserer Anwesenheit hier, in unserer Strasse die "SNOW EMERGENCY", also Schneenotlage oder so, deklariert. Hört sich dramatischer an als es ist, aber erlaubt der Stadt offiziell, mitten in der Nacht oder zu sonstigen Unzeiten rote Parkverbotsschilder aufzuhängen, die jeweils eine der beiden Strassenseiten zur "Snow Emergency" Zone machen, um zu ermöglichen, dass mit riesigem technischem Aufwand der Schnee aufgesammelt wird. Das Ganze gestaltet sich dann so, dass man morgens gepflegt gegen sieben auf dem Weg ins Bad plötzlich Sirenengeheul vor dem Haus hört. Beim Blick aus dem Fenster stellt man dann fest, dass genau auf der Strassenseite, wo man sein Auto geparkt hat, plötzlich der Schneenotstand deklariert wurde und daher per Sirenenwagen darauf aufmerksam gemacht wird, dass man sich besser zügigst nach unten begibt und sein Auto umparkt, bevor es der Abschleppwagen macht. Also muss man sich anstelle sich gemütlich aufs Klo zu setzen und unter die Warme Dusche zu stellen, zunächst mal gleich in die Thermohose stürzen und schnell das Auto umparken, bevor die Anderen die noch freien Plätze auf der anderen Strassenseite ergattern. Der Sirenenwagen gondelt dann etwa 30 Minuten die Strasse entlang, bis auch die letzten Schlafmützen aus dem Bett gekegelt wurden. Wer's trotzdem verpasst, bekommt sein Auto eben per Abschleppwagen umgeparkt. Jedes Jahr werden etwa 45.000 Autos abgeschleppt. Wenn die betreffende, sich im Schneenotzustand befindende Strassenseite dann frei von Autos ist, kommt als erstes eine Art Mini-Kettenfahrzeug (Raupe) und räumt den Gehweg frei. Anschliessend kommen zwei riesige Schneeschieber mit jeweils zwei versetzt angebrachten Schiebern und schichten den Schnee in der Strassenmitte auf. Dann kommt ein riesiger Staubsauger / Pusterich angefahren und bläst den ganzen Schnee in einen nebenherfahrenden Sattelschlepper. Später wird der Schnee dann in den Fluss gekippt, und zwar entweder von einer der Brücken oder vom Hafengelände aus. (siehe Foto, man kann es zwar schwer erkennen, aber hier wird gerade Schnee von der Brücke gekippt). Die ganze Entschneeungsaktion kostet die Stadt Montreal während der Wintermonate zwei Millionen Dollar pro Tag, schafft aber natürlich auch eine Menge Arbeitsplätze. Seit Sonntag bin ich jetzt auch stolzes Mitglied im örtlichen YMCA, also dem Christlichen Verein Junger Männer. Dass es im YMCA hier in Nordamerika nicht ganz so christlich zugeht wie in Europa, erfährt man schnell nach Betreten der Sammelumkleide. Das YMCA wird hier hauptsächlich als Fitnessklub mit Fokus auf persönliche körperliche und menthale Fitness, Kinderbetreuung und Sommercamps, Skischule usw. betrachtet. Als Mitglied hat man natürlich nicht nur Zutritt zum Fitnessstudio, Schwimmbad und Sauna, sondern soll sich nach Möglichkeit auch von Zeit zu Zeit mal ehrenamtlich betätigen. Das YMCA Montreal z.B. betreibt einen "First Stop" Servicepunkt am zentralen Omnibusbahnhof, wo nach wie vor immer noch jeden Tag zahlreiche Landeier ankommen, um ihr Glück in der Stadt zu versuchen. Der "First Stop" soll vermeiden, dass diese Leute gleich in der Drogen- oder sonstwasszene landen und mit entsprechenden Kontakten bei Hilfsorganisationen versorgt werden. Ausserdem bietet das YMCA Erwachsenenbildungskurse für sozial schwächere an und kümmert sich in den sogenannten "Detention"-Anstalten um die Wiedereingliederunge von Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn geraten sind...Der Fitnessbereich ist riesig und erstreckt sich über mehrere Etagen, inkl. Sauna und Whirlpool, allerdings legt man hier nicht so viel Wert auf Design und Wohlbefinden wie in Deutschland, soll heissen, kein Teakholzboden, kein Plasmafernseher, keine Modehäschen und keine Fitnessbar. Die Mitgliedschaft kostet 47 Dollar im Monat und gewährt zutritt zu allen YMCAs in Nordamerika und Ecuador (!). Hier ein paar Fotos:










































...Christian

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