POUR UN CENTRE-VILLE FRANCOPHONE...
Nach langer Vernachlaessigung melde ich mich mal wieder zur Wort. Irgendwie sind wir uns nicht ganz sicher, ob ueberhaupt noch jemand in unseren Blog reinschaut, da es ja auch keinen Besucherzaehler gibt... also Ihr Lieben, schreibt doch einfach ein kurzes Mail an Christian.Benz@yahoo.ca oder Michael.Engelhardt@yahoo.ca damit wir wissen, dass man uns noch wahrnimmt...
Die Arbeit bei Czech Airlines hat soweit sehr angenehme, aber auch frustrierende Seiten. Angehem ist z.B. dass die Kollegen alle sehr nett sind, und dass wir eine gepflegte und 100% einzuhaltende 35 Stundenwoche verleben. Hinzukommt ein schoenes Buero in bester Innnenstadtlage mit U-Bahn Station im Haus - hier ein Foto, ich sitze im drittletzten Stock (22. Etage, hier heisst das dann "Suite 2210", also 22.Stock, 10. "Suite")
Das Haus hat die Adresse 2020 University und ist stadtbekannt unter "2020", man sagt im Taxi also nicht "vingtvingt université s.v.p." sondern nur "vingtvingt" und jeder weiss Bescheid...Zu den frustrierenden Seiten meiner Taetigkeit kann ich Euch nicht allzuviel verraten, nur soviel - wir haben nur drei Abfluege die Woche zwischen Montreal und Prag, da uns "Transports Canada" nicht mehr Abflugtage genehmigen will. Hinzukommen lange Wartezeiten zu den wichtigsten Anschlussfluegen in Prag, es gibt zwar einige Weiterfluege ab Prag mit hervorragenden Uebergangszeiten, aber das sind dann ausgerechnet die Destinationen, zu denen man von Montreal aus sowieso Direktfluege auf anderen Airlines hat. Es gestaltet sich also schwierig, speziell Geschaeftsreisekunden zu finden, die es sich leisten koennen, dass ein Mitarbeiter in Prag mehrere Stunden auf den Anschlussflug wartet. Wir bieten zwar kostenlose Tageszimmer in Hotels an, aber selbst das ist zumindest fuer Geschaeftsreisende kein wirkliches Verkaufsargument. Air France ist hier sehr stark vertreten mit drei täglichen Fluegen zwischen Montreal und Paris, die zeitlich alle so versetzt sind, dass man in Paris zu nahezu jeder Destination in Europa, Asien, Mittleren Osten und Afrika beste Anschluesse hat... Da hat man es echt schwer... Czech Airlines fliegt seit 1970 zwischen Prag und Montreal, frueher ist die Maschine von Prag via Montreal nach Havanna geflogen, bis zum Ende des Kommunismus. In Montreal sind dann bei der Zwischenlandung immer paar Leute aus der Maschine gesprungen und haben politisches Asyl beantragt, so auch einige meiner Kollegen... Letzte Woche war hier in Montreal der "Salon International Tourisme Voyage" auf dem ich in meiner Funktion als Vertreter des tschechichen Fremdenverkehrsamts, die ich auch noch ausfuehre, gearbeitet habe. Hier ein Foto, leider hat mein Czech Airlines Halsband diese Katzenaugenreflektoren...
Ganz rechts auf dem Foto ist mein Boss, die anderen Kollegen sind von verschiedenen Hotels und Wirtshaeusern in Prag bzw. Marienbad.
Ganz aktuell sind mir noch ein paar Zahlen zu Montreal zugeflogen, die ich Euch nicht vorenthalten moechte:
- die Innenstadt Montreal ist derzeit zu 55% franzoesischsprachig, 72% der franzoesischsprachigen Bevoelkerung erachten es als wichtig, dass Montreal franzoesischsprachig bleibt
- 57% der Montrealer wuenschen sich mehr Fahrradwege, wohingegen 27% der Ansicht sind, es gebe genug und 2% meinen, es sind schon zuviele Fahrradwege da
- 81% der Montrealer sind zufrieden mit der Qualitaet des Leitungswassers (wir gehoeren dann zu den uebrigen 19%)
- 45% der Montrealer wuerden eine Regelung, die die Zufahrt zur Innenstadt nur an bestimmten Wochentagen, entsprechend des Autokennzeichens gestattet, begruessen
- 38% der Montrealer sind der Ansicht, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Stadt verschlechtert, wohingegen 45% der Ansicht sind, dass die Lage unveraendert gegenueber den Vorjahren ist
- 59% der Montrealer glauben, dass die Anzahl von Strassengangs in der "Greater Montreal Area" zugenommen hat
- 33% der Montrealer finden das Jazz Festival das beste der zahlreichen Festivals hier
- 31% stimmen fuer das "Juste pour rire / just for laughs" festival
- 6% stimmen fuer das "Francofolies" Festival
- 70% glauben, dass die Stadt schlecht auf terroristische Attentate vorbereitet ist, 16% meinen, die Vorkehrungen seien ausreichend
und last but not least:
- 61% der Montrealer sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeitsstelle Ihres Partners (!)
- ach und noch was: 3% der arbeitenden Bevoelkerung gibt an, dass die tägliche An/Abreise zur Arbeitsstelle mit oeffentlichen Verkehrsmitteln ihre "activité préférée de la journée", also sozusagen der Hoehepunkt des Tages, sei
Ansonsten ist man hier in der Stadt derzeit zufrieden, dass Saddam seine Strafe bekommen wird und die juedische Gemeinde sammelt Unterschriften, um zu erwirken, dass das YMCA DU PARC die Fenster der ersten beiden Etagen mit "Milchglassfenstern" ausstattet, damit man von aussen nicht mehr die sporttreibenden Mitmenschen beobachten kann.
Wir bereiten uns auf den Winter vor, das Auto ist bereits mit Winterreifen ausgestattet, und nach Bezahlen der Rechnung war uns dann auch klar, warum hier jeder zweite einen Honda Civic faehrt. Da wir auf unserem Ami-Reiseschlitten gepflegte 225er Reifen haben, hat die Kasse natuerlich ordentlich geklingelt. Immerhin gibt die Autoversicherung aber 5% Discount, wenn man Winterreifen installieren laesst. Nachdem wir nun noch die grosse Inspektion gemacht haben, muessen wir naechste Woche noch zu "Metropolitan Rustproofing", eine Institution, die es in Deutschland wahrscheinlich schon seit den 70ern nicht mehr gibt. Die bohren kleine Loecher ins Auto und pusten Oel oder irgendetwas mit Hochdruck durch, anschliessend wird der Unterboden versiegelt und dann sollte es fuer die naechste Wintersaison keinen Rost geben. Erstaunt war ich auch, als ich mich nach einer Standheizung erkundigt habe. Die gestaltet sich hier etwas weniger kompliziert und weniger teuer als in Deutschland, aber auch schlecht fuer die Umwelt. Das sieht dann naemlich so aus, dass man in seiner Wohnung, nachdem morgens der Wecker geklingelt hat, einen kleinen Knopf auf der Tuerfernbedienung drueckt. Im gleichen Moment springt dann unten auf der Strasse der Motor an und lauft gepflegt bis man dann abreisefertig nach Fruehstueck und Morgentoilette zum Auto kommt...Hinten im kanadischen Auto warten dann waehrend der Wintersaison Gaskocher, Topf, Tassen, Kerzen, Signalleuchten, Wasserflaschen, Schokoladenpulver und Thermodecken auf ihren Einsatz, fuer den Fall, dass man im Schnee stecken bleibt oder auf den hiesigen ADAC (CAA) warten muss... So dass wars fuer Heute, und denkt dran, lasst kurz von Euch hoeren, damit wir wissen, dass das hier noch gelesen wird...//Christian

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